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SAP Business ByDesign: Abgekündigt im Flüsterton. Warum viele Kunden...

SAP Business ByDesign: Abgekündigt im Flüsterton. Warum viele Kunden...

Das Bild zeigt einen jungen Mann der in die Kamera grinst

Johannes Schulz

12 Min.

12 Min.

Ein Mann steht vor einem Zeitplaner und begutachtet die Zeitspanne

SAP Business ByDesign: Abgekündigt im Flüsterton. Warum viele Kunden glauben, noch Zeit zu haben - und sich genau darin täuschen

Wenn Sie als SAP Business ByDesign-Kunde heute denken: „Bei uns hat das noch Zeit", dann haben Sie wahrscheinlich recht. Allerdings haben Sie deutlich weniger Zeit, als das Wort „Zeit" in Ihrem Kalender suggeriert.

Es gibt nämlich keine Mail von SAP, die ByD-Kunden sagt: „Ab Datum X ist Schluss." Aus Marketing-Sicht ist das nachvollziehbar. Aus Kundensicht ist es ein Problem – weil das menschliche Gehirn auf leise Signale anders reagiert als auf laute.

Genau diese Konstellation – eine Abkündigung ohne Knall, ohne fixes Stichdatum, ohne klare Ansprache an den einzelnen Kunden – ist das, womit ByD-Anwenderunternehmen aktuell umgehen müssen. Und es lohnt sich, kurz nüchtern zu betrachten, was eigentlich genau passiert ist.

Die Abkündigung in Zeitlupe

Die Lage von SAP Business ByDesign ist sachlich eindeutig, auch wenn sie nicht so kommuniziert wurde:

  • ByD ist von der offiziellen Preisliste verschwunden

  • Es gibt keinen aktiven Neukunden-Vertrieb mehr

  • Der Funktionsumfang wird nicht mehr nennenswert weiterentwickelt

  • Strategisch ist SAP Cloud ERP (vormals S/4HANA Cloud Public Edition) der klar benannte Nachfolger

  • Die Wartung läuft, aber mit definiertem Horizont

Das ist im SAP-Umfeld die unmissverständliche Übersetzung von: Diese Plattform wird nicht das System sein, mit dem die SAP die nächsten zehn Jahre operiert. Was die SAP klugerweise nicht getan hat: einen festen Stichtag plakativ kommunizieren. Was sie getan hat: Das System strategisch auslaufen lassen.

Warum sich das nicht anfühlt wie eine Abkündigung

Drei Gründe, warum ByD-Kunden auf diese Signale typischerweise mit Trägheit reagieren – und das ist keine Frage von Naivität, sondern von Psychologie:

  • Das System läuft. Das Tagesgeschäft funktioniert. Der nächste Patch kommt. Keine Fehlermeldung treibt jemanden ans Whiteboard.

  • Die Anwender merken nichts. Vertrieb verkauft, Buchhaltung bucht, Lager liefert. Niemand spürt im operativen Alltag, dass die strategische Weiterentwicklung des Systems eingefroren ist.

  • Es fehlt der Kalender-Trigger. In der Verhaltensökonomie ist das ein gut belegtes Muster: Was kein klares Datum hat, wird zuverlässig verschoben. Eine Steuererklärung mit Stichtag wird gemacht. Ein „irgendwann mal das ERP angehen" wird vertagt.

Diese Kombination ist die psychologisch perfekte Verzögerungsfalle – und sie wirkt sehr zuverlässig. Genau deshalb ist eine leise Abkündigung für die betroffenen Kunden gefährlicher als eine klar kommunizierte Abkündigung.

Die Zeit-Illusion: Was eine ERP-Migration wirklich braucht

Ein ERP-Wechsel ist kein Halbjahresprojekt. Wer am Ende stabil auf einem Nachfolgesystem laufen möchte, sollte realistisch rechnen:

  • Entscheidungsphase: 6 bis 12 Monate – Zielarchitektur klären, Stakeholder ausrichten, Implementierungspartner auswählen, Business Case rechnen, Budget bewegen.

  • Scoping und Vorbereitung: 3 bis 6 Monate – aktive Funktionen aufnehmen, Fit-Gap-Analyse, Datenmigrationskonzept, Schnittstellenplanung.

  • Migration und Implementierung: 12 bis 18 Monate – Konfiguration, Datenmigration, Testing, Cutover, Rollout. Bei mehreren Gesellschaften oder Standorten auch länger.

  • Hypercare und Stabilisierung: 3 bis 6 Monate – Anwender, Prozesse, Datenqualität.

Macht in Summe 24 bis 42 Monate vom Startschuss bis zur stabilen Produktivnutzung. Vom realistischen Wartungs-Ende rückwärts gerechnet, landet die Entscheidung – also der Punkt, an dem feststeht, wohin die Reise geht und wie sie aufgesetzt wird – auffallend nah an „heute". Bei manchen ByD-Kunden ist das Fenster für eine ungestresste Migration bereits weitgehend zugeschoben. Bei anderen liegt es bei zwei, vielleicht drei Jahren. Selten ist es länger.

Drei Jahre fühlen sich nach viel an. Drei Jahre Zeit, um ein gesamtes ERP-System zu wechseln, sind praktisch übermorgen.

Wohin? Die Frage nach dem Zielbild

Der naheliegende Pfad für ByD-Kunden ist SAP Cloud ERP – ähnliche Cloud-First-Logik, ähnliche Standardisierungsphilosophie, geringer Eigenaufwand im Betrieb. Genau deshalb hat die SAP diese Brücke auch explizit gebaut.

Naheliegend ist allerdings nicht automatisch passend. Drei Fragen sollten beantwortet sein, bevor irgendjemand „Migration" ins Protokoll schreibt:

  • Welche aktiv genutzten ByD-Funktionen finden ihre Entsprechung in SAP Cloud ERP?

  • Wo gibt es harte Lücken – also Funktionalitäten, die im Standard von SAP Cloud ERP schlicht nicht vorgesehen sind?

  • Welche Eigenentwicklungen und Drittapplikationen – etwa über die ByD Studio realisiert oder über Schnittstellen eingebunden – müssen mitwandern, neu gedacht oder ersetzt werden?

Das sind keine theoretischen Fragen. Genau hier scheitern Migrationsprojekte am häufigsten – nicht an der technischen Migration, sondern an spät erkannten fachlichen Lücken, die dann unter Zeitdruck improvisiert überbrückt werden müssen.

Wie? Die unterschätzte Implementierungsfrage

Die „Wohin"-Frage wird in Vorab-Diskussionen meist ausführlich behandelt. Die „Wie"-Frage deutlich weniger – und das ist riskant, weil sie der eigentlich harte Brocken ist.

Eine sauber aufgesetzte ByD-zu-SAP-Cloud-ERP-Migration umfasst vier ineinandergreifende Phasen:

  • Scoping – welche Prozesse wandern in welcher Form mit, welche werden in der Migration neu aufgesetzt, welche entfallen ganz?

  • Migrationsplanung – Datenstrategie, Cutover-Logik, Rückfallszenarien, Schnittstellen-Mapping.

  • Implementierung – Konfiguration, Anpassung im Standardrahmen, Anwender-Onboarding, strukturiertes Testing.

  • Hypercare – die ersten Wochen nach Go-live, in denen sich Datenqualität und Prozessstabilität entscheiden.

Wer einen Fit-Check macht und die Implementierung danach als „kümmern wir uns später drum" parkt, verfügt strategisch nur über einen Teil der notwendigen Entscheidungsgrundlage. Der Fit-Check ist eine Voraussetzung. Die Implementierung ist die eigentliche Aufgabe.

Was Sie heute schon tun können

Wer dem Verzögerungsreflex etwas entgegensetzen möchte, ohne in operative Hektik zu verfallen, hat drei pragmatische Schritte zur Hand – alle in den nächsten Monaten machbar, alle wertvoll, unabhängig vom späteren Migrationszeitpunkt:

  1. Ehrliche Bestandsaufnahme der aktiven Nutzung. Welche ByD-Funktionen werden tatsächlich genutzt – nicht: welche stehen im Lastenheft. Diese Aufnahme ist die Grundlage für jede sinnvolle Folge-Entscheidung und altert langsam.

  2. Externe Fit-Bewertung gegen SAP Cloud ERP. Nicht ergebnisoffen im Sinne von „mal schauen", sondern strukturiert: Welche aktiven Funktionen haben eine Entsprechung, wo sind Lücken, wo Anpassungsbedarf, wo Eigenentwicklungen, die ein Folgekonzept brauchen?

  3. Vorlaufrechnung gegen den Maintenance-Horizont. Die Rückwärtsrechnung von oben – einmal sauber für das eigene Unternehmen aufgesetzt. Das macht aus „noch Zeit" ein konkretes Datum, ab dem die Entscheidung getroffen sein muss.

Drei Schritte, die in Summe weniger Aufwand sind als ein durchschnittliches Quartalsende. Aber sie verändern die Diskussion fundamental – weil sie die Diskussion vom Bauchgefühl in die Faktenlage überführen.

Mein Vorschlag: Der kritische Faktor ist der Startzeitpunkt

Eine leise Abkündigung ist nicht weniger real als eine laute. Sie ist nur unbequemer, weil sie keinen Kalender-Trigger setzt – und damit die Verantwortung für den richtigen Zeitpunkt vollständig auf der Kundenseite liegen lässt.

Wenn Sie heute rückwärts rechnen würden – vom realistischen Maintenance-Ende über die realistische  Migrationsdauer bis zu dem Punkt, an dem eine fundierte Entscheidung stehen müsste: Wo genau auf diesem Zeitstrahl steht Ihr Unternehmen aktuell?

Für SAP Business ByDesign-Kunden, die sich dieser Rechnung ehrlich stellen möchten, unterstützt die IBIS Prof. Thome AG im Rahmen der Lösung Transform mit einer datenbasierten Fit-Bewertung gegen SAP Cloud ERP, dem Scoping der Migration, der Implementierung selbst sowie der Begleitung durch die Hypercare-Phase – damit aus „noch Zeit" eine geplante Transformation wird, statt eines Projektes unter Zeitdruck.

Das Beitragsbild wurde mit Hilfe von KI generiert.