// RESSOURCEN

Gewinnen Sie wertvolle Erkenntnisse

mit unseren Expertenartikeln

// SAP S/4HANA Transformation

SAP Public Cloud oder Private Cloud? Das ist keine Workshop Entscheidung

SAP Public Cloud oder Private Cloud? Das ist keine Workshop Entscheidung

Das Bild zeigt einen jungen Mann der in die Kamera grinst

Johannes Schulz

9 Min.

9 Min.

Das Bild zeigt einen überforderten Mitarbeiter der darüber nachdenkt, ob er sein ERP System in eine Private Cloud oder Public Cloud transformieren soll.
Das Bild zeigt einen überforderten Mitarbeiter der darüber nachdenkt, ob er sein ERP System in eine Private Cloud oder Public Cloud transformieren soll.

Public Cloud oder Private Cloud? Wer das im Workshop entscheidet, hat schon verloren.

Der nächste S/4HANA Workshop in Ihrem Unternehmen wird ein Ergebnis liefern. Die Frage ist nur: Spiegelt es Ihre Systemrealität – oder die Meinung der lautesten Person im Raum?

Die Entscheidung zwischen SAP Cloud ERP (vormals S/4HANA Public Cloud) und SAP Cloud ERP Private (vormals S/4HANA Private Cloud) ist eine der teuersten strategischen Weichenstellungen, die SAP-Anwendungsunternehmen in den nächsten Jahren treffen werden. Sie betrifft Architektur, Standardisierungsgrad, Innovationsfähigkeit, Betriebsmodell, Lizenzlogik und Lock-in-Effekte über mindestens zehn Jahre.

Und doch wird sie in der Praxis meistens auf eine Art und Weise getroffen, mit der man in den meisten Unternehmen nicht einmal die nächste Marketingkampagne freigeben würde.

Wie diese Millionenentscheidung tatsächlich fällt

Wer in Cloud-Steering-Boards größerer SAP-Kunden hineinhört, beobachtet ein wiederkehrendes Muster:

  • Workshops mit dem internen IT-Führungskreis und ausgewählten Fachbereichsvertretern

  • Eine Handvoll Folien vom Implementierungspartner mit Pro- und Contra-Listen

  • Ein Vendor-Pitch von SAP, der naturgemäß ein favorisiertes Ziel kennt

  • Eine Peer-Benchmark-Folie („Andere Unternehmen unserer Branche haben sich für Variante X entschieden.“)

  • Bauchgefühl und Konsensfindung im Anschluss

Das Ergebnis ist ein PowerPoint-Vorschlag, dem niemand mehr widerspricht – nicht, weil er belastbar wäre, sondern weil die Diskussionsenergie verbraucht ist.

Vergleichen Sie das einmal mit der Entscheidungsgrundlage, die Sie für eine Investition in eine neue Produktionslinie, eine Akquisition oder den Bau eines Logistikzentrums verlangen würden. Dort gibt es Wirtschaftlichkeitsrechnung, Due Diligence, Sensitivitätsanalysen, externe Gutachten. Das Investitionsvolumen und die Tragweite einer SAP-Cloud-Strategie sind in vielen Konzernen vergleichbar. Die Qualität der Entscheidungsgrundlage ist es oft nicht.

Warum Workshops in dieser Frage strukturell scheitern

Das ist kein Vorwurf an das Format Workshop an sich. Workshops sind großartig zur Hypothesenbildung, zur gemeinsamen Ausrichtung und zur Diskussion von Optionen. Sie sind nur völlig ungeeignet, um die Realität eines komplexen SAP-Systems und der darin abgebildeten Prozesse zu beschreiben. Aus mehreren Gründen:

  • Loudest Voice Wins. Wer am ausdauerndsten oder am höchsten in der Hierarchie spricht, prägt die Mehrheitsmeinung – unabhängig davon, ob er das System tatsächlich kennt.

  • Recency Bias. Das letzte Projekt, der letzte Vorfall, der letzte Beratereinsatz dominiert die Wahrnehmung der Komplexität – auch wenn er strategisch unbedeutend ist.

  • Eisberg-Effekt. Die Personen im Raum kennen typischerweise nur einen kleinen Teil dessen, was tatsächlich im System läuft. Der Rest ist unsichtbar – und bleibt damit unbewertet.

  • Vendor-Bias. Wer den Workshop moderiert, hat in der Regel ein Interesse am Ergebnis. Selbst bei integren Beratern verschiebt sich der Frame.

  • Komplexitätsfolklore. Über die Jahre verfestigen sich Aussagen wie „bei uns ist das so kompliziert" zu unverhandelbaren Glaubenssätzen, ohne jemals datenbasiert geprüft worden zu sein.

Das Resultat ist nicht, dass Workshops „falsche" Antworten produzieren. Das Resultat ist, dass sie nicht überprüfbare Antworten produzieren. Und für eine Entscheidung dieser Größenordnung ist das nicht ausreichend.

Die Daten liegen längst vor – im System selbst

Das eigentlich Bemerkenswerte an dieser Diskussion: Die belastbarsten Daten zur Beantwortung der Cloud-Frage liegen bereits dort, wo sie immer waren – im SAP-System des Unternehmens. Jede Bewegung, jeder Customizing-Eintrag, jeder Beleg, jede Prozessvariante, jede Integration hinterlässt einen digitalen Fingerabdruck.

Was im Workshop nur Meinung ist, ist im System Fakt:

  • Wie nah ist Ihr Customizing am SAP-Standard? Messbar.

  • Wie viele Prozessvarianten existieren in Ihrer Order-to-Cash-Strecke wirklich – und welche werden tatsächlich genutzt? Zählbar.

  • Wie eng sind Ihre Schnittstellen verzahnt, und wo liegen die kritischen Abhängigkeiten? Mappbar.

  • Welche Anteile Ihrer Geschäftsprozesse weichen substanziell vom Standard ab – und welche nur gefühlt? Bewertbar.

  • Wie komplex sind Finanzlogik, Organisationsstruktur und Steuerungsmechanismen tatsächlich? Auswertbar.

Diese fünf Dimensionen – Standard-Nähe, Prozesskomplexität, Integrationskomplexität, fachliche Spezialisierung und Komplexität der Unternehmenssteuerung – sind die ehrliche Grundlage einer Cloud-Bewertung. Sie sind keine Diskussionspunkte. Sie sind Datenpunkte.

Vom Workshop-Ergebnis zum belastbaren Befund

Der Unterschied zwischen einer workshop-getriebenen und einer datenbasierten Cloud-Entscheidung ist nicht graduell. Er ist kategorisch.

Eine Workshop-Entscheidung produziert eine Empfehlung – mit dem impliziten Kleingedruckten „nach bestem Wissen, mit dem Stand der Personen, die zufällig im Raum waren, in Kenntnis derjenigen Aspekte, an die jemand gerade gedacht hat."

Eine datenbasierte Entscheidung produziert einen Befund – mit dem expliziten Kleingedruckten „auf Basis aller relevanten Systeminformationen, reproduzierbar bewertet, mit klar benannten Annahmen und einem nachvollziehbaren Pfad zur Begründung."

Das eine kann man im Vorstand vorstellen und später neu bewerten. Das andere kann man verteidigen.

Vom Bauchgefühl zum belastbaren Befund: Das eigentliche Versprechen einer Cloud-Strategie

Es geht in dieser Frage nicht darum, ob Sie am Ende in SAP Cloud ERP oder SAP Cloud ERP Private migrieren. Beide Wege sind richtig – für unterschiedliche Unternehmen, in unterschiedlichen Konstellationen, aus unterschiedlichen Gründen. Es gibt keine generelle „bessere" Antwort.

Es geht darum, wie Sie zu Ihrer Antwort kommen. Und ob diese Antwort einer kritischen Prüfung standhält – durch Vorstand, Revision, Aufsichtsrat oder einfach durch die Realität, die ein paar Jahre nach der Entscheidung über Ihre Annahmen hinwegrollt.

Würden Sie eine Investition in dieser Größenordnung – mit Auswirkungen auf zehn Jahre Architektur, Innovationsfähigkeit und Betriebskosten – in irgendeinem anderen Bereich Ihres Unternehmens auf Basis eines zweitägigen Workshops treffen?

Genau diese Frage hat uns dazu gebracht, das IBIS Cloud Decision Framework zu entwickeln. Auf Basis unserer langjährig erprobten RBE Plus-Methodik analysieren wir Ihr System entlang der fünf zentralen Bewertungsdimensionen, leiten daraus eine konsistente Bewertung mit klarer Bewertungslogik ab und schaffen damit die belastbare Entscheidungsgrundlage, die eine Cloud-Strategie verdient. Damit aus dem Workshop-Konsens ein verteidigungsfähiger Befund wird – und aus einer Bauchentscheidung eine Investition mit klarem Fundament.

Das Titelbild dieses Beitrags wurde mit Hilfe von KI generiert.